Dies ist ein archivierter Beitrag zum histocamp 2015.

Das erste histocamp ist gerade einmal ein paar Tage vorbei und es wird immer noch ausgiebig darüber gesprochen. Man twittert, bloggt, hält sogar spontane Nachlese-Sessions in der S-Bahn ab. Auch für uns vom Open History e. V. ist das histocamp noch nicht vorbei. Wir sind noch im Taumel der Ereignisse und gleichzeitig beschäftigt mit den Nachbereitungen. Zu einer Veranstaltung gehört meist eine kleine Nachlese, die den Programminhalt aufgreift und die Ergebnisse zusammenfasst – der gute alte Tagungsbericht. Wir könnten jetzt über die vielen interessanten und lebendigen sessions berichten. Tun wir aber nicht, denn das habt Ihr schon selbst getan, indem Ihr so viel getwittert habt, dass #histocamp bald ganz oben in den trending topics landete. Wir könnten auch die Ergebnisse zusammenfassen. Tun wir aber nicht, denn beim BarCamp  sind die Ergebnisse indivduell: der wunderbare Austausch miteinander, die neuen Ideen, die Begeisterung und die Inspiration, die jede und jeder Einzelne von Euch mitnimmt und für die der Ort nicht zwangsläufig die eine session gewesen ist. (Wir sammeln aber Blogs zum histocamp hier).

So möchten auch wir lieber diesen Schwung der letzten Tage mitnehmen und eine sehr persönliche Nachlese bieten. Unser Orga-Team hatte im Vorfeld seine Hoffnungen hier im Blog formuliert. Wie war es also nun für Euch, das erste histocamp?

Mein histocamp war …

#bereichernd

Ich bin aus Bonn reich zurück gefahren. Reich an Erfahrung, wie man BarCamps organisiert, reich an Ideen, was sich alles mit Geschichte anstellen lässt, reich an Inspiration, was ich in Zukunft mit Geschichte anstellen möchte, reich an Bekanntschaften, die meinen Horizont in viele Richtungen erweitert haben und mit denen ich mir gemeinsame Projekte vorstellen kann und, last but not least, reich an Freundschaften, die sich im Verlauf der gemeinsamen Organisationsarbeit für das histocamp in den letzten Monaten entfaltet haben. Ich fand es erfrischend zu sehen, wie sich über Twitter ganz unkompliziert neue Möglichkeiten des kollaborativen Arbeitens eröffnen und sich eine kleine Idee zu etwas so Großem und Großartigem entwickeln kann. Diesen Schwung will ich unbedingt mitnehmen und ich bin durch das histocamp noch experimentierfreudiger geworden, was neue Formate angeht. Nur her damit!

(Karoline Döring)

#multiperspektivisch

Ich habe es genossen, mit Leuten zu diskutieren, die einen ganz unterschiedlichen Hintergrund als ich selbst haben. Das gilt zunächst fachlich/thematisch. Auf Workshops und Konferenzen treffe ich meist auf andere Mediävist*innen, beim histocamp war die Bandbreite viel größer, was zu mehreren spannenden epochenübergreifenden Diskussionen ebenso geführt hat wie zu Einblicken in mir fremde Themenbereiche. Allerdings habe ich mich natürlich auch gefreut , dass so viele mit mediävistischem Interesse beim histocamp waren (siehe dazu hier und hier). Andererseits waren die Teilnehmer*innen auch im Hinblick auf ihre Beschäftigung und Lebenssituation sehr verschieden. Neben Studierenden und Doktoranden mit Universitätsanstellung waren Leute aus Museen, Archiven, Bibliotheken und Gedenkstätten etc. anwesend, aber auch interessierte Laien und Fachfremde. Eine ganze Reihe der Sessions hat aus meiner Sicht von dieser Multiperspektivität sehr profitiert, sei es weil Phänomene aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wurden oder unkonventionelle Ideen eingebracht wurden. Das histocamp war für mich deshalb eine äußerst gewinnbringende Ergänzung zum für mich „normalen“ Tagungs- und Workshopkalender.

(Johannes Waldschütz)

#organisiertselbstorganisierend

Es war schön zu sehen, dass das histocamp so offen und locker abgelaufen ist, wie wir uns das ausgemalt haben. Aufgeregt und mit allerhand Sachen im Kopf, die schief gehen könnten, bin ich in den ersten Tag gestartet. Beruhigt nur durch meine zuversichtlichen Teamkolleg_innen und den Optimisten in mir, der sich wiederholt sagte: „Was gut vorbereitet ist, klappt auch gut“. Ich sehe mich noch zur Sicherheit 10–12 Minuten vor Beginn mit der Glocke läutend durch das Foyer laufen, da es ja bekanntlich etwas dauert, bis sich dann alle in Bewegung setzen. Nicht so auf dem histocamp: Motivation und Spannung waren so hoch, dass es maximal zwei bis drei Minuten dauerte, bis alle im Konferenzsaal platzgenommen hatten. Die Vorstellungsrunde dauerte nur etwas mehr als 20 Minuten – und das bei so vielen Wortmeldungen. Die vorgeschlagenen Sessions waren inhaltlich vielfältig und in ihrer Anzahl so, als ob wir diese vorher festgelegt hätten (haben wir natürlich nicht). Die durch ineinandergreifende Eigeninitiative bestimmte Orgateamarbeit lief perfekt. Die Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern war top! Die wichtigste Rolle spielten aber die Stimmung und der rege Austausch der Teilgeberinnen und Teilgeber. Wie erhofft, fand dieser über Arbeitsbereichs-, Epochen- und Altersgrenzen hinweg auf Augenhöhe statt. Das war eine der größten Unwägbarkeiten, die sich wirklich wie von selbst organisiert hat. Das dadurch entstandene positive Gefühl ist so gut, dass ich es bald wieder erleben möchte, und es macht jede der vielen Stunden an Vorarbeit wett. Ich nenne es jetzt nur noch das histocamp-Gefühl, nicht ohne zugleich davor zu warnen: Es hat Suchtpotenzial.

(Wenzel Seibold)

#schnapsidee

Begonnen hatte es mit dem Tweet von Karoline und der war gar nicht so ernst gemeint. Das passiert mir öfters: Ideen, die man zuerst als Unsinn abtut und dann entwickeln sie sich zu so einer bereichernden, spannenden und großartigen Veranstaltung. Das histocamp war eine Menge Arbeit, aber das fühlte sich gar nicht so an. Es hat unglaublich Spaß gemacht mit allen an einem Strang zu ziehen und sich in Sessions mit bekannten und bislang unbekannten Gesichtern auseinander zu setzen. Durch meine Aufgabe als Raumpatin habe ich sogar zwangsweise Sessions besucht, die ich mir vielleicht gar nicht ausgesucht hätte: beide waren super. Und um auf die Schnapsidee zurückzukommen: die Session, die ich mit gehalten habe, war eine Schnapsidee und ein Ausprobieren, aber auch sehr viel Spaß, denke ich. Für das nächste histocamp würde ich mir wünschen, dass noch mehr „Fachfremde“ dabei sind, denn die haben auch Schnapsideen auf die man als Elfenbeinturmbewohner gar nicht kommt, die aber vielversprechend sind.

(Charlotte Jahnz)

#analog

Wie, eine Veranstaltung, die tagelang in den Twittertrends auftauchte, bei der jeder mindestens drei Geräte gleichzeitig in den Händen hielt und die fast ausschließlich über digitale Kommunikationsmittel organisiert wurde – und mein Hashtag ist #analog? Für mich eigentlich ganz logisch, denn trotz ständigen Twittern war das histocamp eine Veranstaltung, bei der aus Avataren plötzlich Menschen zum Anfassen wurden. Da wäre das Orgateam, dem ich hier zu 95% erstmals die Hände schütteln konnte, da wären die unzähligen Twitterbekanntschaften, denen ich nach der Vorstellungsrunde endlich ein Gesicht zuordnen konnte und da waren die Kolleg_innen aus der Gedenkstättenszene, die man auch nur einmal im Jahr sieht und mit denen das gemeinsame Gemecker sonst über Twitter ablaufen muss. Die immer viel zu kurzen Gespräche vor, während, zwischen und nach den Sessions waren auf jeden Fall der Beweis, dass das digitale Rauschen viel mehr Substanz hat, als das kulturpessimistische Gerede von der Generation Smartphone vermuten lässt. Ich hoffe, dass ich es schaffe, die aus dem histocamp gewonnene Energie auch wieder in den digitalen Raum tragen zu können, bis das nächste analoge Event kommt.

(Steffen Jost)

#ausbaufähig

Also im positiven Sinne. Abgesehen von einigen technischen Tücken haben wir unseren Ursprungsplan über die Bühne gebracht, ohne dass der Spaß an der Arbeit darunter gelitten hätte und einige Ziele sogar übertroffen. Für mich haben die zwei Tage gezeigt, dass im zuteilen recht konservativen Bereich der Geschichtswissenschaft andere Formate nicht nur möglich sind, sondern auch sehr gut angenommen werden. Damit ist nicht nur klar, dass wir eine Folgeveranstaltung machen müssen, sondern auch, dass enorme Spielräume bestehen Wissenschaftskommunikation in der Geschichtswissenschaft anders zu denken, die nur darauf warten genutzt zu werden. Aus diesem Grund bin ich überzeugt, dass das nächste Histocamp nicht nur organisatorisch  professioneller und größer, sondern auch inhaltlich kommunikativer, spielerischer und in Bezug auf den altehrwürdigen Opernsaal angriffslustiger wird. Darauf freue ich mich jetzt schon.

(Lucas Garske)

#fachfremd

Lustigerweise wurde Fachfremdheit zu einem Schlagwort, welches das Histocamp schon von Beginn an begleitete. Uns war es wichtig, dass sich auch Nicht-Historiker*innen von der Ideen einer Un-Konferenz, die sich mit Geschichtsthemen befasst, begeistern lassen. Und es war ebenso wichtig, dass auch diejenigen, die nicht zu den Bewohner*innen des akademischen Elfenbeinturms gehören, keine Berührungsängste haben vorbeizukommen und sich zu beteiligen. Zu unserer großen Freude ist das gelungen – sicher wäre es aber in Zukunft auch noch ausbaufähig. Von anderen Barcamps kenne ich es, dass auch Eltern ihre Kinder mitbringen und sich so auch Schüler*innen unter den Campern befinden, die dann mitdiskutieren, Fragen stellen oder selbst Fragen beantworten. Vielleicht klappt das beim nächsten mal? Als jemand fachfremdes, der den Elfenbeinturm verlassen hat, kann ich das Histocamp jedenfalls allen empfehlen, die keine Lust auf langweilige Konferenzen haben und dafür um so mehr Lust auf Geschichtsthemen, die auch mal unkonventionell und aus vielen Perspektiven heraus diskutiert werden. Nach dem Histocamp ist vor dem Histocamp…

(Angelika Schoder)

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